Vom Testshooting zum Portfolio
Wie ein Test Shooting abläuft, was ein guter Termin wirklich abwirft und wie daraus ein Portfolio entsteht, das eine Agentur einem Kunden vorlegen kann.
Ein Testshooting ist der Termin, an dem aus einer Zusage Material wird. Ohne dieses Material gibt es keine Sedcard, kein Book und nichts, was ein Booker verschicken könnte. Deshalb steht der erste Test in aller Regel am Anfang: Er ist das Erste, was nach der Aufnahme in ein Board passiert.
Was ein Test ist
Ein Test ist eine Produktion ohne Kunden. Alle Beteiligten arbeiten für die Bilder — Fotografin, Haare und Make-up, Styling, Model. Niemand bekommt eine Gage, alle bekommen Material. Das ist kein Gefallen und kein bezahlter Auftrag, sondern ein Tausch, bei dem jeder etwas mitnimmt, das er sonst nicht hätte.
Organisiert wird der Termin von der Agentur. Sie sucht die Leute aus, setzt die Richtung und legt fest, was am Ende dabei herauskommen soll — eine Beauty-Aufnahme, eine Bewegungsstrecke, ein Ganzkörperbild, das im Book fehlt. Bezahlt wird davon nichts vom Model; die Kostenfrage ist auf Model werden eindeutig beantwortet und gilt für Tests genauso wie für alles andere.
Agenturtest und TFP sind nicht dasselbe
Ein privat verabredeter TFP-Termin über ein Portal kann gut sein. Er ist nur unkalkulierbar: Die Handschrift ist die des Fotografen, die Qualität schwankt, und was mit den Bildern geschehen darf, ist oft unklar. Für eine Agentur sind solche Aufnahmen häufig unbrauchbar, weil sie in eine andere Richtung zeigen als das, was das Board gerade braucht.
Ein Agenturtest wird gegen eine bestimmte Lücke geplant, mit Leuten, deren Arbeit die Agentur kennt. Beides kann nebeneinander bestehen, aber nur das zweite ist gesteuert.
Eine Linie ist dabei hart: Wer für einen Test Geld vom Model verlangt, macht keinen Test. Geld fließt in dieser Phase in Richtung der Arbeit und nie in die Gegenrichtung — daran ändert auch ein aufwendig gestaltetes Angebot nichts.
Was der erste Test leisten soll
Nicht Vielfalt. Ein einziges, sauber ausgeleuchtetes Porträt, das das Gesicht zeigt, ohne es zu deuten. Das ist die Aufnahme, die ein Booker zuerst braucht, und sie ist die schwerste von allen, weil es nichts gibt, wohinter man sich stellen könnte.
Alles Weitere kommt danach und ergänzt Spannweite. Ein erster Termin, der fünf Stimmungen liefern will, liefert am Ende keine einzige davon zu Ende.
Was ein guter Termin abwirft
Wenige Bilder. Fünf bis zehn Aufnahmen, die eine Auswahl überstehen, sind ein gutes Ergebnis für einen Tag. Zweihundert Dateien sind kein Ergebnis, sondern Rohmaterial, und die Zahl sagt nichts über die Qualität des Termins.
Die Auswahl trifft die Agentur, und das aus einem nüchternen Grund: Die eigenen Bilder zu beurteilen, funktioniert schlecht. Menschen wählen die Aufnahmen, auf denen sie sich selbst gefallen — und das ist ein anderes Kriterium als „damit lässt sich jemand besetzen“. Wer beides trennt, kommt schneller zu einem brauchbaren Book.
Vorbereitung, die tatsächlich etwas ändert
Schlaf und Wasser sind die beiden Punkte, über die am meisten gespottet und die am häufigsten ignoriert werden. Dazu kommen Dinge, die im Nachhinein einen ganzen Tag entwerten können:
- Nichts Neues auf die Haut in den Tagen davor. Ein unbekanntes Produkt am Vorabend ist das klassische Eigentor
- Kein frischer Schnitt, keine neue Farbe ohne Rücksprache mit der Agentur
- Nägel kurz und sauber, auch bei Männern — bei Detailaufnahmen entscheidet das über die Verwendbarkeit
- Stundenlang keine engen Bündchen: Socken, Hosenbund, enge Träger. Die Abdrücke bleiben länger sichtbar, als der Zeitplan erlaubt
- Essen. Ein Testtag ist lang, und die letzten Aufnahmen entstehen selten am Anfang
Am Set
Pünktlich sein ist die eine Hälfte, mitdenken die andere. Fragen Sie früh, wie eng der Ausschnitt ist — bei einer Nahaufnahme passiert alles im Millimeterbereich, bei einer Ganzkörperaufnahme trägt die Haltung, und wer das verwechselt, arbeitet gegen das Bild.
Es hilft, sich zu Beginn eine Aufnahme am Monitor zeigen zu lassen, um sich einzuordnen. Danach gehört man nicht dauerhaft dorthin: Wer nach jedem Auslösen hinter die Kamera geht, unterbricht den Rhythmus, aus dem die guten Bilder entstehen.
Und sagen Sie es, wenn eine Haltung schmerzt oder nicht funktioniert. Eine Aufnahme, die unter Schmerzen entsteht, sieht am Ende auch so aus, und niemand am Set hat etwas davon, wenn Sie es aushalten.
Wer sonst noch am Set steht
Ein Test ist selten ein Termin zu zweit. Neben der Fotografin arbeiten meist eine Person für Haare und Make-up, oft jemand für Styling, manchmal eine Assistenz für das Licht. Für ein neues Gesicht lohnt es sich zu wissen, wer wofür zuständig ist, weil sich daraus ergibt, wen man bei welcher Frage anspricht.
Haare und Make-up beginnen. Diese Stunde ist Arbeitszeit und keine Wartezeit: Wer währenddessen sagt, dass eine Wimper drückt oder ein Produkt brennt, spart später eine Korrektur, für die im Zeitplan nichts vorgesehen ist. Umgekehrt muss das Ergebnis nicht dem eigenen Geschmack entsprechen, sondern der Richtung, die vorher abgesprochen wurde.
Das Styling entscheidet über die Silhouette. Kleidung wird gesteckt, gerafft und geklammert, und was von hinten wie eine Notlösung aussieht, ergibt von vorn genau den Schnitt, der gebraucht wird. Zupfen und Nachjustieren zwischen den Aufnahmen kostet an dieser Stelle mehr, als es bringt.
Die Fotografin gibt die Richtung vor, kann aber nicht jede Bewegung ansagen. Ein Teil der Arbeit besteht darin, innerhalb einer Vorgabe zu variieren: dieselbe Haltung mit der anderen Schulter, derselbe Blick eine Spur ruhiger, ein halber Schritt zur Seite. Wer auf jede Aufnahme eine Ansage abwartet, produziert eine Serie. Wer nach jeder Ansage etwas ausprobiert, produziert eine Auswahl — und aus einer Auswahl entsteht später ein Book.
Grenzen werden vorher besprochen, nicht am Set
Was Sie tun und was nicht, wird vor dem Termin mit der Agentur geklärt und festgehalten. Nicht am Drehtag, nicht im Gespräch mit dem Fotografen, nicht zwischen zwei Setups.
Aufnahmen in Unterwäsche oder ohne Kleidung sind nie Bedingung für einen Test. Wenn so etwas unangekündigt aufkommt, endet der Termin an dieser Stelle, und Sie rufen die Agentur an — nicht später, sondern dann. Ein Fotograf, der professionell arbeitet, weiß das und fragt gar nicht erst.
Bei Minderjährigen gehört eine Begleitperson dazu. Das ist keine Höflichkeitsgeste und keine Frage des Vertrauens, sondern der Rahmen, in dem ein solcher Termin überhaupt stattfindet.
Wem die Bilder gehören
Fotografin, Haare und Make-up, Styling und Model wollen die Aufnahmen in aller Regel alle zeigen. Was wo veröffentlicht werden darf, mit welcher Nennung und ob die Agentur die Bilder an Kunden weitergeben kann, ist deshalb Teil der Absprache und kein Nebenpunkt.
Fragen Sie nach, was vereinbart wurde, bevor Sie selbst etwas veröffentlichen. Ein Bild, das zu früh oder an der falschen Stelle auftaucht, kostet die Agentur eine Erklärung und Sie im ungünstigen Fall den nächsten Termin bei denselben Leuten.
Wie daraus ein Book wird
Die Reihenfolge ist fast immer dieselbe. Zuerst das ruhige Porträt, dann eine Ganzkörperaufnahme, an der Proportion und Haltung ablesbar sind, dann eine gestylte Modeaufnahme, dann eine Strecke mit erkennbarer Handschrift — was eine solche redaktionelle Produktion von einer Werbeaufnahme unterscheidet, steht auf der Seite zu Editorial. Geht die Richtung ins Kommerzielle, kommen freundliche, klar ausgeleuchtete Aufnahmen dazu, in denen das Produkt lesbar bleibt.
Die verdichtete Fassung dieses Books ist die Sedcard; wie sie aufgebaut wird und welche Bilder darauf gehören, steht in Die erste Sedcard.
Wann getestet wird und wann wieder
Testtermine fallen bevorzugt in die ruhigeren Wochen, weil Fotografen, Studios und Visagistinnen dann Zeit haben. Es ist derselbe Kalender, der auch über Bewerbungen entscheidet — Wann man sich bei einer Agentur bewirbt erklärt, wie er verläuft.
Neu getestet wird, wenn sich das Erscheinungsbild verändert, wenn im Book eine Lücke sichtbar wird, nach der Kunden wiederholt fragen, oder wenn die Bilder älter wirken als die Person darauf.
Ein Book entsteht nicht an einem Tag und nicht bei einer Person. Es entsteht aus fünf oder sechs Terminen über ein Jahr, von denen jeder eine Lücke schließt — und aus der Bereitschaft, gute Bilder wieder herauszunehmen, sobald bessere da sind.
