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Los Angeles

Als Model in die USA

Was ein Aufenthalt in Los Angeles verlangt: wie der Markt arbeitet, warum die Arbeitserlaubnis am Anfang steht und was vor dem Flug geklärt sein muss.

7 Min. Lesezeit

Los Angeles steht auf vielen Listen weit oben, und meistens steht dort das Bild der Stadt, nicht der Markt. Wer dorthin will, um zu arbeiten, sollte beides auseinanderhalten. Das eine ist eine Vorstellung, das andere eine Reihe von Voraussetzungen — und die erste davon hat mit Aussehen nichts zu tun.

Was für ein Markt die Stadt ist

Los Angeles ist überwiegend kommerziell. Gebucht werden Werbung, Lifestyle, Activewear, Beauty und Onlinehandel, dazu alles, was aus der Nähe zu Film, Fernsehen und Musik entsteht. Diese Nähe verändert die Castingkultur: Es wird häufiger bewegt gearbeitet, häufiger nach Ausstrahlung statt nach Typus besetzt, und Selbstaufnahmen als erste Runde sind selbstverständlicher als in Europa.

Das Gewicht im Editorial- und Schaubereich liegt an der Ostküste, in New York. Keiner der beiden Märkte ist der bessere; sie verlangen Unterschiedliches. Wer aus dem Beauty-Bereich kommt, findet in Kalifornien viel Arbeit — was dort an einem Set über die Besetzung entscheidet, steht auf der Seite zu Beauty.

Ein praktischer Punkt, den europäische Models regelmäßig unterschätzen: Die Stadt ist weiträumig. Ein Castingtag ist ein Fahrtag. Zwei oder drei Termine füllen einen Tag, wenn sie weit auseinanderliegen, und daraus folgen Kosten für Wagen, Sprit und Zeit, die in keiner Kalkulation von zu Hause auftauchen.

Der Punkt, an dem die meisten Pläne scheitern

Eine visumfreie oder touristische Einreise erlaubt keine bezahlte Arbeit in den USA. Das ist keine Formalie, die sich nachreichen lässt.

Ein Status, der Arbeit erlaubt, muss beantragt werden. In aller Regel geht der Antrag von der US-Seite aus, also von einem Arbeitgeber oder einer Agentur, die die Person vertritt, und er braucht Vorlauf, Unterlagen und Geld. Welche Kategorie im Einzelfall in Frage kommt, welche Nachweise sie verlangt und wie lange die Bearbeitung dauert, beantwortet verbindlich nur die zuständige US-Auslandsvertretung oder eine auf Einwanderungsrecht spezialisierte Kanzlei. Wer Ihnen am Telefon eine Kategorie und eine Frist nennt, ohne Ihre Unterlagen gesehen zu haben, rät — und bei einem abgelehnten Antrag ist das eingesetzte Geld verloren.

Es gibt eine Variante, die im Umlauf ist und die man ablehnen sollte: einreisen, vor Ort arbeiten, das falle schon nicht auf. Die Folgen daraus trägt nicht die Agentur, sondern die Person mit dem Pass, und sie können eine spätere Einreise über Jahre erschweren. Wer Ihnen das vorschlägt, hat den eigenen Kalender im Blick, nicht Ihre Laufbahn.

Wie eine Vertretung vor Ort zustande kommt

Nicht dadurch, dass jemand hinfliegt und an Türen klopft. Der übliche Weg führt über die eigene Agentur im Heimatmarkt, die Material verschickt, Kontakte hat und die Konditionen verhandelt. Sie behält den Überblick, während vor Ort gebucht wird.

Die Reihenfolge ist dabei das Entscheidende: erst Material, dann eine Zusage aus dem Zielmarkt, dann die Papiere, dann die Reise. Der Flug steht am Ende dieser Kette und nicht am Anfang. Wer die Reihenfolge umdreht, bezahlt eine Stadt, in der er nicht arbeiten darf, und sammelt Absagen, die nichts über ihn aussagen.

Zwei Agenturen, eine Buchung

Sind Sie in zwei Märkten vertreten, verdienen auch zwei Häuser an derselben Buchung. Das ist üblich und für sich genommen unproblematisch — vorausgesetzt, die Aufteilung steht vor der Abreise auf dem Papier und nicht in einem Telefonat.

Vier Angaben gehören dazu: wer gegenüber dem Kunden abrechnet, wer an Sie auszahlt, in welcher Währung, und innerhalb welcher Frist. Zahlungen über Grenzen hinweg dauern länger als im Inland, und der Satz „das Geld ist unterwegs“ klingt aus achttausend Kilometern Entfernung anders als aus dem Nachbarort.

Wohnen, Vorschüsse und die Rechnung am Ende

In vielen Märkten organisieren Agenturen Unterkünfte für Gastaufenthalte — geteilte Wohnungen, wochenweise abgerechnet, verrechnet mit späteren Einnahmen. Das ist eine übliche Konstruktion und kann funktionieren. Sie kann auch damit enden, dass ein Aufenthalt ohne Verdienst bleibt und trotzdem eine offene Summe zurücklässt.

Deshalb gehört vor die Abreise eine Aufstellung, die vier Punkte benennt:

  • was die Unterkunft pro Woche kostet
  • was sonst vorgestreckt wird: Flug, Anwalts- und Antragskosten, Fahrten, Testtermine
  • ab wann verrechnet wird
  • was mit einem offenen Betrag geschieht, wenn der Aufenthalt nichts einbringt

Eine Agentur, die das nicht schriftlich aufschlüsseln kann, hat es nicht gerechnet. Gerechnet wird es dann am Ende, und zwar von Ihnen.

Was das Book leisten muss

Material überträgt sich nicht automatisch von einem Markt in den anderen. Amerikanisches Commercial-Casting sucht Zugänglichkeit und eine saubere Beauty-Aufnahme; ein Buch, das ausschließlich aus stark stilisierten Bildern besteht, wird dort als unbrauchbar gelesen, obwohl es in Europa gut funktioniert hat.

Der praktische Schritt dazu kostet nichts: Fragen Sie die Agentur im Zielmarkt vor der Abreise, welche Ihrer Bilder sie tatsächlich verwenden würde und was fehlt. Die Lücke schließen Sie dann zu Hause, wo Termine günstiger sind und die Leute Sie kennen. Vor Ort ist Zeit teuer, und ein Testtermin in Kalifornien verbraucht einen Tag, an dem Sie zu einem Casting hätten fahren können.

Rechnen Sie außerdem mit Bewegtbild. Selbstaufnahmen als erste Castingrunde sind dort verbreitet, und wer noch nie in eine Kamera gesprochen hat, merkt das im ungünstigsten Moment.

Der Kalender entscheidet mit

Jeder Markt hat dichte und tote Wochen. Wer in einer toten Phase ankommt, bezahlt Unterkunft und Fahrten, ohne dass Termine entstehen — und fährt mit dem Eindruck zurück, es habe an ihm gelegen. Wann ein Aufenthalt sinnvoll liegt, weiß die Agentur vor Ort; das ist eine Frage an sie und keine, die man selbst nach Reisewunsch beantwortet. Warum der Zeitpunkt auch im eigenen Markt so viel verändert, steht in Wann man sich bei einer Agentur bewirbt.

Gastaufenthalt oder Umzug

Diese beiden Vorhaben werden oft in einem Atemzug genannt und verlangen Gegensätzliches. Ein Gastaufenthalt ist ein begrenztes Fenster mit einem Zweck: eine Saison mitnehmen, Material erzeugen, sich zeigen. Ein Umzug ist eine Lebensentscheidung mit anderen Anforderungen an Papiere, Steuern, Versicherung und Wohnung.

Die meisten ersten Reisen sind Gastaufenthalte, und sie funktionieren besser, wenn sie auch so verabredet werden. Dazu gehört, dass vorher feststeht, wie lang das Fenster ist und woran beide Seiten erkennen, ob es sich gelohnt hat. Ein Aufenthalt ohne verabredetes Ende zieht sich, kostet weiter und endet meist in dem Moment, in dem das Geld ausgeht — die schlechteste aller Abbruchbedingungen, weil sie mit dem Markt nichts zu tun hat.

Sprechen Sie deshalb vor der Abreise über zwei Festlegungen: die Dauer und den Punkt, an dem neu entschieden wird. Sechs Wochen mit einer klaren Zwischenbilanz sind eine bessere Verabredung als ein offenes „wir schauen mal“. Und wenn die Agentur vor Ort auf ein längeres Fenster besteht, ist die Frage berechtigt, was in dieser Zeit konkret geplant ist. Gemeint sind Termine, nicht Aussichten.

Was ein Aufenthalt tatsächlich verlangt

Geld für eine Zeit ohne Einnahmen, Unterkunft, Fahrten, ein funktionierendes Telefon — und eine Krankenversicherung, die für einen längeren Arbeitsaufenthalt in den USA gemacht ist. Der letzte Punkt wird am leichtesten übersehen und ist der teuerste: Eine Reisepolice für ein paar Urlaubswochen deckt etwas anderes ab als Monate im Ausland, und medizinische Behandlung ist dort ein erheblicher Kostenfaktor.

Wer die einnahmefreie Zeit nicht überbrücken kann, sollte den Flug nicht buchen. Das ist keine Vorsichtsmaßnahme, sondern Rechnen: Ein Aufenthalt, der nach drei Wochen aus Geldmangel endet, schneidet genau die Phase ab, in der etwas entstanden wäre.

Wenn es nicht funktioniert

Ein Aufenthalt ohne Ergebnis ist kein Urteil über eine Person. Märkte verlangen Unterschiedliches, und ein Gesicht, das in Kalifornien nicht gebucht wird, kann anderswo sofort gehen. Was bleibt, ist Material und ein paar Leute, die sich an Sie erinnern — das ist wenig für ein Konto und viel für die nächste Saison.

Dieselben Fragen nach Vertrag, Verrechnung und Rückweg stellen sich in jedem Auslandsmarkt; für die Golfregion sind sie in Als Model in der Golfregion arbeiten beschrieben. Und der Weg dorthin beginnt in beiden Fällen nicht mit einem Flug, sondern mit einer Vertretung im eigenen Markt — was für eine Bewerbung nötig ist, steht auf Model werden.

Fragen Sie nach dem Papier, bevor Sie den Flug buchen, nicht danach. Der Unterschied zwischen einem Aufenthalt, der eine Laufbahn beginnt, und einem, der ein Konto leert, entsteht in den Wochen davor.

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